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Corona - Ihre Aufgaben vor dem Gang zur Bank

24. März 2020

Corona - Ihre Aufgaben vor dem Gang zur Bank

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie unter den Unternehmern sind, die Corona trifft ist hoch. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist exportabhängig und anders als andere Länder angewiesen auf die Unternehmen der sogenannten „Old Economy“. Doch was sind die ersten Schritte, die Sie nach dieser Feststellung gehen können?

Zunächst einmal, so einfach das auch klingt, heißt es Ruhe zu bewahren und die Welt so sehen, wie sie ist. Nicht besser, aber auch nicht schlechter. Die Bundesrepublik Deutschland hat Finanzhilfen garantiert und wird alles daran setzen den Motor, also Sie als Mittelständler, am Laufen zu halten. Denn davon sind wir als Land und Gesellschaft abhängig. Doch werden wir aktiv.

Ihr erster Blick sollte Umsätzen und dem Wareneinsatz gelten. Dabei muss dieser Blick unter der Voraussetzung eines „Worst Case“ (schlechtmöglichstes Szenario) erfolgen Für Sie bedeutet dies, nur die mit absoluter Sicherheit eintretenden Umsätze zu bewerten, auch wenn diese Zahl Null beträgt. Von diesem Umsatz abzuleiten sind dann folgende Fragen zur Warenversorgung:

Wie hoch ist mein beauftragter Wareneinsatz über den Planungshorizont? Kann ich die Waren ohne Umsatz überhaupt abnehmen? Sind meine Lieferanten gesprächsbereit und können gegebenenfalls Waren zurückhalten? Aus diesen Fragen können sich bereits erste Maßnahmen ableiten, die von Ihnen festgehalten werden sollten. Denn diese Maßnahmen gilt es zu berücksichtigen, um eine solide Umsatzplanung auf den Weg zu bringen.

Der zweite Fokus gilt den Kosten. Kurzarbeitergeld ist hier nur eine von vielen Maßnahmen, die Sie einleiten können. Auch Ihre Mitarbeiter gilt es in diesen Prozess mit einzubinden, denn diese hängen genauso vom Fortbestand des Unternehmens ab, wie Sie als Unternehmer selbst. Daher kommt es durchaus vor, dass Mitarbeiter zu einem signifikanten Beitrag zum Fortbestand des Unternehmens bereit sind. Überstundenabbau und Urlaube sind weitere Maßnahmen, um die Personalkosten zu beeinflussen.

Ein weiterer großer Kostenfaktor neben den Personalkosten sind Tilgungszahlungen und Zinszahlungen. Es ist nie im Interesse der Bank, wenn einer der Firmenkunden in Schieflage gerät, darum ist ein vertrauensvoller Umgang mit den Hausbanken der beste Hilfsanker in Zeiten einer Krise. Wer hat festgelegt, dass die Bank nicht kurzzeitig die Tilgung aussetzen könnte, wenn ein hervorragendes Verhältnis mit dem Unternehmer besteht? Voraussetzung für solche Maßnahmen ist immer absolute Offenheit und Transparenz gegenüber der Bank. Auch bei den von der KfW versprochenen Mitteln muss die Hausbank nach heutiger Kenntnislage ins Obligo gehen, weshalb eine frühzeitige Kommunikation mit der Bank unbedingt eröffnet werden sollte. Zu den Unterlagen, die eine Bank für Finanzierungen benötigt, gehören u.A. integrierte Finanzplanungen (GuV, Bilanz und Kapitalflussrechnung) und die Finanzdaten der letzten Jahre. In diesen Unterlagen müssen Sie Bank und KfW aufzeigen, dass Sie bis Ende 2021 solide durchfinanziert sind, wenn Sie die Mittel der Bank in Anspruch nehmen.

Noch einmal ganz kurz: Zunächst einmal gilt es Ruhe zu bewahren, um dann in die Planung der kommenden Tätigkeiten und Maßnahmen einzusteigen. Dabei müssen Umsatzplanung und Absatzplanung so konservativ wie möglich aufgestellt werden. Erst dann gilt der Blick den Kosten und der Frage, ob diese Kosten angepasst werden können. Kurzarbeitergeld, Stundungen von Tilgungen, Zinsaussetzungen, Verhandlungen mit dem Vermieter – Ihrer Kreativität ist in dieser Situation wirklich keine Grenze gesetzt.

Wenn Sie Ihren Umsatz geplant haben und alle Maßnahmen zur Senkung der Kosten ergriffen haben, wird sich zeigen, ob Sie weitere Mittel zum Überleben benötigen. Mit dieser Deckungslücke im Gepäck sollten Sie umgehend zur Hausbank gehen, um die Mittel des Staates in Anspruch zu nehmen. Auch diese Deckungslücke sollte konservativ angesetzt werden, denn der zweite Gang zur Bank ist immer schwerer als der erste. Lassen Sie sich dabei nicht aus der Ruhe bringen, doch zu lange zu warten kann Ihnen ebenfalls schaden. Bei der jetzt heranrollenden Antragsflut ist die beste Position Ihrer Anträge mit Sicherheit der Gipfel des Stapels der Sachbearbeiter.

Wer sich weiter für Rat und Ideen zu diesem Thema interessiert, wird hier in Kürze weitere Beiträge finden oder kann sich spannende Eindrücke auf dem Youtube-Kanal von CANEI.digital holen.

Autoren: Marcus Linnepe & Maximilian Derwald

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