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Warum manche Unternehmen besser planen als andere?

6. November 2020

Warum manche Unternehmen besser planen als andere?

Die Bedeutung einer professionellen Unternehmensplanung ist während der Finanzkrise 2008/09 und spätestens seit Beginn der Coronapandemie in den Vordergrund gerückt. Allein Google erlebte im September einen Anstieg der Suchanfragen zum Stichwort „Unternehmensplanung“ um beinahe 50% und das aus gutem Grund.

Um sich diesem Grund zu nähern, lohnt es sich zunächst zu verstehen, warum Planung für Unternehmer so wichtig ist. Logischerweise dient eine Planung in erster Linie dazu, mögliche Auswirkungen unternehmerischer Handlungen in allen Ebenen aufzuzeigen. Anders gesagt dient sie dazu, das Ausmaß des künftigen Erfolgs oder Misserfolgs aufzuzeigen und dessen Finanzierbarkeit zu überprüfen. Doch wird der Planung in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld auch eine weitere Rolle zuteil: Eine aussagekräftige Finanzplanung ist das beste verfügbare Instrument, um Finanzierungspartner, wie Banken oder Investoren, von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu überzeugen und so die Finanzierung und Liquidität des Unternehmens abzusichern.



Welche Planung benötigt mein Unternehmen?

Bevor es zur Kommunikation mit Banken oder Investoren kommen kann, wird eine planerische Basis benötigt. Diese Basis besteht aus drei Säulen, die ich im Folgenden gerne vorstellen möchte:

  1. Strategische Planungen sind langfristig orientierte Planungen und geben dem Unternehmen die grobe Richtung vor. Diese Art der Planung beinhaltet neben der Formulierung einer Vision und einer Mission auch konkretere strategische Weichenstellungen. Letztere zielen darauf ab, langfristige und weniger langfristige Wettbewerbsvorteile zu erzielen oder sichern.

    Vision - Welchen Zukunftszustand wollen wir mit unserer Arbeit erreichen?
    Mission - Wie erreichen wir diesen Zustand?


  2. Operative Planungen setzen die Vorgaben aus den strategischen Planungen in zeitliche Intervalle um und bilden so eine messbare Grundlage. Beispiele für diese Planungen sind insbesondere Budget- und Finanzpläne. In der Praxis ist etwa die strategische Zielsetzung „Markführer werden“ operativ über das Monitoring des Umsatzwachstums verfolgbar.

  3. Dispositive Planungen sind Planungen, die das Tagesgeschäft betreffen. Diese kommen zum Einsatz, wenn schnelle Anpassungen der operativen Planungen benötigt werden. Dazu kann beispielsweise eine tages- oder wochengenaue Liquiditätsplanung gehören.

Die für diesen Beitrag wichtigste Planung, ist unter den operativen Planungen zu finden: die Finanzplanung. Die Finanzplanung ist der Gratmesser des operativen Erfolgs einer Unternehmung und wird aus diesem Grund immer von Banken herangezogen, wenn diese eine Kreditentscheidung zu treffen haben. Wie eine solche Finanzplanung idealerweise aufgebaut ist und welche Informationen sie enthält, möchte ich im Folgenden kurz erläutern:

Die Finanzplanung als Bindeglied der Planungen

Eine professionelle Finanzplanung gehört zu den wichtigsten Instrumenten im betriebswirtschaftlichen Controlling und dennoch können sie die wenigsten Unternehmen vorweisen. Zumeist verwenden Unternehmen stattdessen eine behelfsmäßige Liquiditätsplanung und eine grobe Ertragsplanung auf Excelbasis. In wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten kann eine solche Planung durchaus ausreichen. Diese Form der „Finanzplanung“ genügt jedoch nicht mehr, sobald sich die wirtschaftliche Wetterlage verschlechtert. In einer solchen Situation ist das Unternehmen in der Pflicht, genau zu errechnen und aufzuzeigen, inwieweit strategische Entscheidungen oder aufgezwungene Umwelteinflüsse finanzierbar sind. Erst mit dieser Rechnung kann benötigte Liquidität frühzeitig angemeldet und rechtzeitig abgerufen werden.

Der Grund für die oft oberflächliche Herangehensweise bei der Planung liegt zum einen an dem hohen Aufwand, der mit den vielen Bestandteilen einer effektiven Finanzplanung verbunden ist. Zum anderen stellt die Integration der vielen relevanten Daten einer Finanzplanung eine inhaltliche Herausforderung dar. Denn eine nicht integrierte Finanzplanung, welche aus einem Flickenteppich verschiedenster Datensätze und Tabellen besteht, vermittelt selten ein aussagekräftiges Gesamtbild.

Welche Planbereiche bei der Finanzplanung berücksichtigt werden müssen, habe ich hier kurz dargestellt:

  1. Budgetplanung: Planung der Kosten und Erlöse des Unternehmens und damit der Ertragsseite des Unternehmens. Beispiele für diesen Teilbereich der Finanzplanung sind die Umsatzplanung und die Personalkostenplanung.

  2. Bilanzplanung: Planung der Vermögens- und Schuldenpositionen am Ende der Periode. Unter die Bilanzplanung fällt beispielsweise die Planung von Investitionen und Finanzierungen.

  3. Liquiditätsplanung: Erfassung der geplanten Kapitalflüsse im Unternehmen, also der sich tatsächlich aus Bilanz und Ertrag ergebenden Geldflüsse.

Diese drei Planungsebenen sind jeweils voneinander abhängig und daher individuell betrachtet nur eingeschränkt zu beurteilen. Erfolgreiche Unternehmen machen aus diesem Grund Gebrauch von einer integrierten Finanzplanung, welche Bilanz und Ertrag um eine Kapitalflussrechnung ergänzt und deshalb deutlich gehaltvoller ist. Sie zeigt auf, wann und wo das Unternehmen Liquidität generiert und verbraucht.

Planen Sie schon integriert?

Eine integrierte Planung wird in der Regel für fünf Jahre erfasst und ist regelmäßig ein Bestandteil des Anforderungsprofils von Banken für eine angefragte Finanzierung. Dies verdankt die Planung dem Umstand, dass sie nur in ihrer integrierten Form ein vollständiges Bild der Potenziale und der Finanzierungsfähigkeit des Unternehmens bietet. Die Integration erfolgt dabei weitestgehend automatisch und unkompliziert, sobald ein dafür ausgelegtes Tool genutzt oder programmiert wurde.

Ich habe hier eine kurze Veranschaulichung des Konzepts der Integration der Planung anhand der Umsatzplanung vorbereitet:

Ein geplanter Umsatz hat zum Eintrittszeitpunkt keinen zwingenden Zahlungseingang zur Folge, da Rechnungsstellung und die Begleichung der Rechnung nicht zum selben Zeitpunkt erfolgen müssen. In diesem Falle bildet sich eine Forderung gegen den Rechnungsempfänger, die bei Zahlungseingang aufgelöst wird. In der integrierten Planung können Umsatz (Gewinn- und Verlustrechnung), Forderungen (Bilanz) und Zahlungseingang (Kapitalflussrechnung) automatisch verbunden werden, sodass ein vollständiges Bild des Unternehmens entsteht. Denn neben der Umsatzplanung, ermöglicht eine integrierte Planung auch die Planung des Zahlungsziels und damit die Umwandlung von Umsatz in Liquidität.



Inzwischen sollte deutlich sein, dass eine integrierte Finanzplanung als Ergänzung zur strategischen Planung die ideale Methode ist, um den Unternehmenserfolg dauerhaft im Blick zu halten. Durch die Transparenz und die Datendichte, die diese Planungsform bietet, stellt sie ein ideales Werkzeug zur internen Steuerung des Unternehmens und zur Kommunikation mit diversen Interessensvertretern dar. Durch die Unsicherheit der kommenden Monate und Jahre wird die Bedeutung der integrierten Planung nur weiter zunehmen.

Planen Sie schon integriert?

Autor: Maximilian Derwald

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