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Wie Sie sich zwischen Eigen- und Fremdkapital für Ihr Unternehmen entscheiden

9. November 2020

Wie Sie sich zwischen Eigen- und Fremdkapital für Ihr Unternehmen entscheiden

Für jedes Unternehmen steht früher oder später eine Investition an, die mehr finanzielle Mittel erfordert als im Tagesgeschäft üblich sind. Spätestens dann stellt sich die Frage nach der richtigen Finanzierung dieser Investition. Die beiden sich dafür bietenden Optionen sind die Eigenfinanzierung und die Fremdfinanzierung. Im Folgenden möchte ich diese beiden Formen der Finanzierung vorstellen und insbesondere ausgewählte Vor- und Nachteile aufzeigen. Die nachfolgende Analyse wird zudem zeigen, dass die richtige Finanzierungsform von Fall zu Fall variiert. Doch kann mit der richtigen Herangehensweise durchaus eine Kombination beider Varianten genutzt werden, die letztlich auch Auswirkungen auf die Rentabilität des Unternehmens hat.


Eigenfinanzierung vs. Fremdfinanzierung

Die Eigenfinanzierung beschreibt die Finanzierung eines Investitionsvorhabens aus unternehmenseigenen Mitteln. Hier stehen dem Unternehmen zwei Quellen zur Verfügung: zum einen die Liquidität, welche aus der Geschäftstätigkeit generiert wird („Innenfinanzierungskraft“) und zum anderen der Gesellschafterkreis, der neue Mittel in Form von Eigenkapital bereitstellen kann. Letzteres können Kapitaleinlagen bestehender Eigentümer, aber auch neuer Gesellschafter (Investoren) des Unternehmens sein. Entscheidend ist, dass für diese Mittel keine Rückzahlung vorgesehen ist.



Bei einer Fremdfinanzierung wird Liquidität von Gesellschaftern oder Dritten zur Verfügung gestellt, die nach einer festgelegten Frist und meist inklusive eines vereinbarten Zinses zurückgezahlt werden. Die Fremdfinanzierung wird in der Regel dazu genutzt, ein spezifisches Investitionsvorhaben zu tätigen. Es ist jedoch auch ein probates Mittel, um einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken.

Im Gegensatz zur Eigenfinanzierung haftet der Kapitalgeber bei einer Fremdfinanzierung nicht für die Aktivitäten des Unternehmens. Auf der anderen Seite ist die fremdfinanzierende Partei auch nicht am Gewinn oder Verlust des Unternehmens beteiligt.

Beispiele für Fremdfinanzierungen

  1. Kurzfristige Fremdfinanzierung: Zu kurzfristigen Fremdfinanzierungen zählen beispielsweise Handelskredite (dazu gehören Anzahlungen oder Lieferantenkredite in Form von eingeräumten Zahlungszielen) und kurzfristige Bankkredite (z.B. eine Kontokorrentlinie)

  2. Mittel- bis langfristige Fremdfinanzierungen: Diese Kategorie umfasst typischerweise Finanzierungen mit einer Laufzeit von 2 bis 5 Jahren. Diese können beispielsweise in Form von Unternehmensanleihen oder zweckgebundenen Bankfinanzierungen vorliegen.

  3. Langfristige Fremdfinanzierungen: Unter langfristigen Fremdfinanzierungen versteht man in erster Linie Bankkredite mit einer Laufzeit von >4-5 Jahren.

  4. Sonderformen der Fremdfinanzierung:
    1. Leasing / Sale and Lease Back
    2. Factoring




Beispiele für Eigenfinanzierungen

  1. Innenfinanzierung: Die Innenfinanzierung bedeutet eine Bereitstellung von Kapital aus dem Unternehmen selbst. Die wichtigste Quelle für dieses Kapital ist der Unternehmensgewinn. Wird der Gewinn nicht an die Eigentümer ausgeschüttet, sondern verbleibt zu Finanzierungszwecken im Unternehmen, wird dies Thesaurierung genannt.

  2. Außenfinanzierung: Bei der Außenfinanzierung wird Kapital durch Eigentümer des Unternehmens von außen zugeführt. Diese Kapitalzuführung kann von einer Aktiengesellschaft über die Emission junger Aktien herbeigeführt werden.

Auch eine Mischform zwischen Fremd- und Eigenfinanzierung soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, das Mezzanine-Kapital. Mezzanine ist bilanziell dem Eigenkapital zugeordnet (analog zur Eigenfinanzierung), doch bleibt diese „Beteiligung“ ohne Stimmrecht (analog zur Fremdfinanzierung).

Vor- und Nachteile beider Finanzierungsformen

Eigenfinanzierung Fremdfinanzierung
+ Geringere Insolvenzgefahr durch Überschuldung (Überschuldung ist dann erreicht, wenn das Eigenkapital vollständig durch Verluste aufgezehrt wurde - dies stellt einen Insolvenztatbestand dar). Steuervorteil, da die Verzinsung den zu versteuernden Gewinn schmälert und so die Steuerlast mindert.
+ Höhere Unabhängigkeit und Flexibilität, da keine Fristigkeiten bei der Rückzahlung eingehalten werden müssen. Keine Mitsprache der Geldgeber bei Unternehmensentscheidungen, da Fremdkapital keinen Einfluss auf die Stimmrechte hat.
+ Die Geldgeber sind nicht am Unternehmenserfolg (Gewinn) beteiligt.
- Durch den Hochrisikocharakter einer Eigenkapitalfinanzierung entstehen hohe Kapitalkosten in Form einer Gewinnbeteiligung. Je nach Branche und Marktumfeld können hohe Zinskosten die Vorteile der Fremdfinanzierung zunichte machen.
- Analog zum Vorteil der Fremdfinanzierung bietet eine Eigenkapitalfinanzierung keine steuerlichen Vorteile. Die Befristung der Fremdfinanzierung unterlegt das Unternehmen einem zeitlichen Druck.
- Das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit wird verstärkt, wenn die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens überschätzt wurde.

Eine Entscheidung für die „richtige“ Finanzierungsform ist neben den oben dargestellten Vor- und Nachteilen immer abhängig von vielen Faktoren, darunter die Größe der Finanzierung und des Unternehmens, die bisherige Kapitalstruktur und auch die Branche. Ein wichtiger Faktor im Entscheidungsprozess ist dazu das sogenannte „Leveraging“.

Was bedeutet Leverage?

Der Leverage-Effekt besagt, dass der richtige Einsatz von Fremdkapital bei der Finanzierung die Eigenkapitalrendite eines Unternehmens erhöhen kann.



Wie dies funktioniert, möchte ich kurz anhand eines Beispiels verdeutlichen:

Ein Unternehmen benötigt 100.000€ für eine neue Maschine, welche planmäßig eine Rendite von 10% pro Jahr erwirtschaften soll. Diese Maschine wird zu 50% eigenfinanziert und zu 50% fremdfinanziert. Für Letzteres gehen wir aus Vereinfachungsgründen von einem pauschalen Zins von 2.500€ pro Jahr aus.

Die Eigenkapitalrendite errechnet sich wie folgt:
Eigenkapitalrendite = Gewinn / eingesetzte Eigenmittel

In unserem Beispiel würde dies folgendes bedeuten:
7.500 (Gewinn) / 50.000 (eingesetztes Kapital) => 15 % (Eigenkapitalrendite)

Wenn die Maschine stattdessen mit 100% Eigenkapital finanziert wird, stellt sich die Rechnung wie folgt dar:
10.000 (Gewinn) / 100.000 (eingesetztes Kapital) => 10% (Eigenkapitalrendite)

Auch der Leverage-Effekt hat selbstverständlich seine Grenzen, denn je mehr Finanzierungen ein Unternehmen erhält, desto teurer wird in der Regel auch der Zinssatz auf neue Finanzierungen. Ein hoher Zinssatz kann zur Folge haben, dass die erreichte Eigenkapitalrendite durch hohe Zinszahlungen aufgezehrt wird, obwohl die Zinszahlung den zu versteuernden Gewinn schmälern können.

Die Frage nach der richtigen Finanzierung ist augenscheinlich keine einfache. Doch gibt es diverse bestimmende Fakten, die die Entscheidung erleichtern können. Sicher ist, dass jede Form der Finanzierung einer detaillierten Planung bedarf, damit Entscheidungen durch Fakten unterlegt und etwaige Finanzierungspartner von dem Finanzierungsvorhaben überzeugt werden können. Wie eine solche Planung gelingt, erklären Ihnen gerne die Experten von CANEI.digital und von CANEI.solutions.

Autor: Maximilian Derwald

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